Balsam fürs Nervernsystem 2: Sanft auf uns selbst sehen

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Oft schauen wir mit einer Härte auf uns selbst, die wir anderen Menschen nie zukommen lassen würden. Wir sehen, was wir alles nicht geschafft haben, was hätte anders laufen können, hätten wir nur anders gehandelt. Wir ermahnen uns, bestimmte Situationen auszuhalten. Wir sehen streng auf uns selbst – auf unsere Fähigkeiten, unseren Körper, unsere Persönlichkeit, unsere Handlungen.  

Diese Strenge trägt etwas sehr Leistungsorientiertes in sich. Ein Druck, zu funktionieren. Eine innere Spannung, die anzeigt, dass etwas in der Innenwelt nicht zur Außenwelt passt, – aber wir sagen uns, das darf nicht sein, und versuchen, es passend zu machen.  

Auf eine gewisse Weise nehmen wir damit die Rolle unserer Eltern ein – wir ermahnen uns und unterteilen in Richtig oder Falsch. Die eine Eigenart ist richtig, die andere falsch. Eine Unterteilung und Sichtweise, die nur darin enden kann, dass wir selbst nicht gut genug sind und “es einfach nicht schaffen”.  

Wie können wir nun sanfter auf uns selbst sehen?

Wenn wir nach und nach mehr darauf achten, merken wir: Unsere Augenmuskeln sind bei uns (fast) allen wahnsinnig angespannt. Wir starren regelrecht in die Welt hinaus, fokussieren uns und unsere “Ziele” mit einem Tunnelblick, der rechts und links keinen Platz für uns selbst, für Entspannung und Weichheit lässt. Das steht in ganz direktem Zusammenhang damit, wie wir innerlich über die Welt und uns denken.  

Dieser Tunnelblick stellt eine relativ hohe ständige Anstrengung für unser System dar und ist alles andere als natürlich.  

Probiere einmal folgendes aus, wenn du magst: 

Übung 1

Du stellst oder setzt dich aufrecht hin (vermutlich sitzt du gerade sowieso), und bewegst deinen Blick weg vom Bildschirm (wenn du die Übung durchgelesen hast) – am besten irgendwo ins Grüne, wenn möglich. Vielleicht siehst du einen großen Baum, oder eben eine Zimmerpflanze. 

Dann “öffnest” du den Blick. Das bedeutet, du siehst zwar den Baum, aber du nimmst darüber hinaus mit deinen Augen auch alles andere in deinem Blickfeld wahr – den Baum daneben, das Haus links davon, den Boden, den Himmel, eine Person, die vielleicht durch das Blickfeld läuft. Alles ist in deinem Blickfeld, du weitest es quasi aus. Bleibe so für etwa eine Minute. 

Das ist der sogenannte offene Blick. Im Tunnelblick, mit dem wir mindestens 95% der Zeit schauen, ist das Energiesystem des Körpers eher geschlossen, Energie kann weniger frei fließen. Die Folge: Du bist automatisch angespannter. Im offenen Blick hingegen kann ich dein gesamtes Energiesystem mehr entspannen.

Manchmal erscheint der Blick zu Beginn ein wenig unscharf, aber das gibt sich schnell. Vielleicht nimmst du sogar wahr, wie du entspannend aufatmest, sobald du dich vom Tunnelblick verabschiedest.  

Übung 2

Dann schließt du deine Augen und nimmst dir noch einmal 3-open end Minuten Zeit. Wenn du ein bequemes Stofftuch findest, kannst du dir das um die Augen binden, wenn du magst, so dass es dunkel um den Bereich der Augen wird. Du lässt die Augen entspannen – sie brauchen jetzt nichts mehr aufzunehmen, nichts zu sehen und nicht in die Welt zu schauen.

Und in dieser inneren Dunkelheit, in der nichts geschafft, nichts erledigt werden muss, schau auf dich selbst – wie eine Mutter, die liebevoll ihr Kind betrachtet – und werde ganz weich. Spüre die Weichheit deiner Augen, die Weichheit deiner Innenwelt. Spüre, wie sich vielleicht Wellen der Entspannung von den Augen aus in den Körper ausbreiten.  

Viel Freude dabei! 

Photo by eberhard 🖐 grossgasteiger on Unsplash.

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