2 Phasen in der Recovery: Raus der Magersucht

Recovery Magersucht

Auf dem Weg in der Recovery der Magersucht begegnest du möglicherweise einigen Phasen, denen auch ich begegnet bin. In diesem Artikel möchte ich dir die zwei wichtigsten davon vorstellen. Nicht als Plan, nicht als notwendige Stufen, sondern als Begleitung, als Inspiration und als Sicherheit, immer in dem Wissen dass du nicht alleine mit diesen Phasen und nicht alleine auf deinem Weg bist.

Diese Phasen überlappen sich oft oder sind sogar gleichzeitig da – in welchem Ausmaß, das kann ganz individuell sein. 

Recovery Phase 1: Ziellosigkeit nach der Essstörung

Als ich innerlich den radikalen Entschluss fällte, die Magersucht gehen zu lassen, machte sich nach kurzer Zeit ein großer Hohlraum auf.

Eine Magersucht bestimmt das ganze Leben, jeden einzelnen Tag, so gut wie jede Minute. Dünnsein ist das einzige und das größte Ziel. Es gibt nichts, was das Leben eines oder einer Magersüchtigen so sehr bestimmt, wie dieses Ziel.

Fällt dieses Ziel mit einem Mal weg, dann ist das, als würde einem der Lebensinhalt genommen.

Diesen Hohlraum habe ich lange nicht gefüllt bekommen, und ich erinnere mich noch sehr genau an dieses Gefühl – zu wissen, dass ich weg will von der Essstörung, aber eben nicht, wohin eigentlich.

Ich schwamm – und wusste nicht, wohin ich steuerte. Ich wusste nur, raus.

Die Phase der Ziellosigkeit ist eine Zeit, die sich sehr leer anfühlt, sehr wirr.

In der nicht viel anderes da ist als eine vage Ahnung davon, dass man irgendwie auch anders in dieser Welt existieren kann als magersüchtig.

Ja, auch wenn es manchmal unvorstellbar scheint: Dass man tatsächlich leben kann, ohne magersüchtig zu sein.

Es hätte mir geholfen, zu wissen, dass auch andere diese Phasen in der Recovery erleben, diese innere Leere und diese Ziellosigkeit.

Denn: Irgendwann füllt sich der Hohlraum wieder.

Zu Beginn möglicherweise mit kurzen schönen Momenten, die es wert sind, erlebt zu werden,  
irgendwann vielleicht mit dem Ziel, glücklicher und zufriedener zu sein  
und ein Erleben von Freiheit in sich zu finden, welches viel tiefer und viel geborgener ist, als die Freiheit, die wir im Nicht-Essen finden können. 

– oder ein ganz anderes Ziel, welches dich von nun an begleiten darf. 

Ich möchte noch eines anmerken, weil es mir am Herzen liegt und ich meine eigenen Erfahrungen damit gemacht habe: Es ist schwierig, im Anschluss an eine Magersucht nicht in neue Konzepte bzw. Ziele abzudriften, die im Grunde das selbe in Grün sind – wie etwa, stattdessen nun eben nur noch supergesund zu essen oder topfit zu werden und täglich zu trainieren. Solche Konzepte können höchstens zeitweise etwas helfen, um die Angst vor den ersten Schritten aus der Magersucht zu nehmen und mit dem Essen wieder anzufangen. Sie sind aber keine Lösung – auch wenn sie lange wirklich verlockend sind.

Recovery Phase 2: Vorschussvertrauen ins neue Körpergewicht

Geht das: Nach einer Essstörung wieder normal essen ohne zuzunehmen?

Wenn man aufhört, das eigene Essverhalten im Sinne einer Magersucht zu kontrollieren, verändert sich der Körper und das Aussehen. Und zwar in den allermeisten Fällen erst einmal Richtung Zunehmen.

Lange harrte ich während der Recovery der Angst, was da mit meinem Körper passierte, als ich wieder anfing, mehr zu essen – wie lange ich wohl zunehmen würde, wie ich aussehen würde.

Ja, es braucht einen starken Willen zu heilen, um diese Phase auszuhalten, denn sie fühlt sich sehr gefährlich an.

Wir geben das auf, woran wir uns so lange festgehalten haben. Geben das auf, was uns so lange Sicherheit in dieser Gesellschaft versprechen wollte: Die vollständige Kontrolle über unseren Körper, unser Gewicht.

Hier ist eine Art „Vorschussvertrauen“ unglaublich hilfreich:

Schau, ob es dir möglich ist, ein Stück weit daran zu glauben, dass sich dein Gewicht nach einiger Zeit einpendeln wird. Dass dein Körper am besten weiß, was er gerade braucht, und dass du über die Monate und Jahre lernen wirst, seine Zeichen immer besser zu lesen.

Es steht in jedem Buch über den Rückweg aus der Magersucht, die Therapeuten behaupten es, und es stimmt tatsächlich auch – es wird sich einpendeln, sowohl dein Essverhalten als auch dein Gewicht. Aber es wird Zeit und ein gewisses Maß an Vertrauen brauchen. Und ich weiß um die Gemeinheit dieser Sache, denn: Es ist gerade für uns (ehemalige) Magersüchtige schwer, ein solches Vertrauen in einen solch unsicheren Prozess aufzubringen.

Ein Buch, das ich hier sehr empfehlen kann, heißt: Essen ist nicht das Problem* von Green Roth.

Ein weiteres tolles Buch heißt Intuitiv Abnehmen: Zurück zu natürlichem Essverhalten* von Elyse Resch (der Titel ist denkbar blöd im Deutschen übersetzt, es geht aber überhaupt nicht darum, abzunehmen, sondern intuitives Essen wieder zu erlernen).

Viel Freude damit! 

Photo by Ales Maze on Unsplash

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